CARBFUNC-Studie: Zwei Jahre Low-Carb mit viel gesättigtem Fett – LDL, ApoB und Koronarkalk
Eine kohlenhydratarme Kost mit sehr viel gesättigtem Fett hat in einer zweijährigen randomisierten Studie aus Bergen das LDL-Cholesterin um 5 bis 10 Prozent erhöht – vor allem über große LDL-Partikel. Das Apolipoprotein B (ApoB), das neben dem LDL-Cholesterin zunehmend als Risikomarker beachtet wird, stieg dagegen nicht signifikant an, Triglyzeride sanken und HDL stieg. Die Sekundäranalyse der CARBFUNC-Studie mit 193 Erwachsenen mit Adipositas erschien am 24. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift eBioMedicine. Wer sich ketogen ernährt und seine Blutwerte im Blick behält, bekommt damit ein differenzierteres Bild als durch reine LDL-Werte. Sie hat aber deutliche Grenzen: Gegen Ende fehlten viele Teilnehmende, harte Endpunkte wie Herzinfarkte wurden nicht untersucht, und die Ergebnisse gelten zunächst nur für Menschen mit Adipositas.
Studiendesign: Drei Kostformen, zwei Jahre, Bergen
CARBFUNC ist eine kontrollierte Ernährungsstudie am Mohn-Ernährungsforschungslabor der Universität Bergen unter Leitung von Professor Simon Dankel; Erstautorin der neuen Auswertung ist die Doktorandin Cathrine Loddervik. 193 Frauen und Männer mit Adipositas aus dem Raum Bergen wurden zufällig auf drei Kostformen verteilt: eine „azelluläre“ kohlenhydratbasierte Kost (Vergleichsgruppe), eine „zelluläre“ kohlenhydratbasierte Kost und eine Low-Carb-High-Fat-Kost (LCHF) mit 75 Prozent der Energie aus Fett, davon 30 Prozentpunkte aus gesättigten Fettsäuren. Laut Pressemitteilung lag der Kohlenhydratanteil der LCHF-Gruppe unter 10 Prozent der Energie. Das entspricht dem Bereich einer ketogenen Ernährung; ob die Teilnehmenden tatsächlich in Ketose waren, geht aus Abstract und Pressemitteilung nicht hervor. Gemeinsam waren allen Gruppen eine Energiezufuhr von rund 2.500 kcal für Männer und 2.000 kcal für Frauen, die gleiche Proteinmenge, zugesetzter Zucker bei etwa 1 bis 2 Prozent der Energie und die Empfehlung von 500 g Gemüse pro Tag. Die Kohlenhydrate der beiden kohlenhydratbasierten Kostformen stammten vor allem aus Vollkorn, die LCHF-Kost strich das meiste Getreide.
Ergebnisse: LDL leicht höher, ApoB unverändert, Triglyzeride deutlich niedriger
Gemessen wurden die Blutfette und Lipoprotein-Subfraktionen per Kernspinresonanz-Spektroskopie. In der LCHF-Gruppe stieg das LDL-Cholesterin um 5 bis 10 Prozent, was die Autoren überwiegend auf große LDL-Partikel zurückführen; kleine, dichte LDL-Partikel nahmen nicht signifikant zu. ApoB, das die Zahl der potenziell gefäßschädigenden Partikel abbildet, stieg laut Abstract nicht signifikant an und unterschied sich laut Studienleiter Simon Dankel nicht nennenswert von den beiden kohlenhydratreicheren Kostformen. Gleichzeitig sanken die Triglyzeride in der LCHF-Gruppe um 20 bis 35 Prozent, und das HDL-Cholesterin stieg um 5 bis 18 Prozent, während diese Werte in den anderen Gruppen weitgehend gleich blieben. Auch VLDL-Partikel, Remnant-Cholesterin und der Triglyzerid-HDL-Quotient sanken stärker. Nach 24 Monaten war die stärkere Senkung von Triglyzeriden, VLDL, Remnant-Cholesterin und Triglyzerid-HDL-Quotient gegenüber der Vergleichsgruppe noch nachweisbar, ebenso der stärkere Anstieg großer LDL-Partikel. Eine Einordnung früherer LDL-Daten finden Sie in unserem Beitrag zur Metaanalyse zu Keto und LDL.
Koronarkalk: Kein Unterschied nach zwölf Monaten
Zusätzlich bestimmte das Team den Koronarkalk-Score per CT am Haukeland-Universitätsklinikum, zu Beginn und nach zwölf Monaten. Laut Universität Bergen zeigte sich bei der Kost mit viel gesättigtem Fett keine deutliche Zunahme der Kalkablagerungen und kein Unterschied zwischen den Gruppen. Das ist ein beruhigender, aber begrenzter Befund: Zwölf Monate sind für die Entwicklung von Gefäßverkalkung ein kurzer Zeitraum, und der Koronarkalk-Score erfasst weiche, nicht verkalkte Plaques nicht. Absolute Werte und Fallzahlen der CT-Untersuchung nennen Abstract und Pressemitteilung nicht.
Grenzen der Studie: Hoher Ausfall und keine harten Endpunkte
Die wichtigste Einschränkung steht im Abstract selbst: Der Anteil der ausgeschiedenen Teilnehmenden lag nach sechs Monaten bei 59 Prozent, nach zwölf Monaten bei 70 Prozent und nach 24 Monaten bei 84 Prozent. Die selbst berichtete Einhaltung der Kost lag im ersten Jahr bei 63 bis 85 Prozent, im zweiten Jahr nur noch bei 40 bis 60 Prozent. Die Zwei-Jahres-Ergebnisse beruhen also auf einer kleinen Restgruppe von rund 31 der 193 Teilnehmenden. Es handelt sich zudem um eine Sekundäranalyse: Blutfette und Koronarkalk waren nicht das Hauptziel der Studie. Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Sterblichkeit wurden nicht erfasst, und alle Teilnehmenden hatten Adipositas. Ob die Ergebnisse auf Normalgewichtige übertragbar sind, bleibt offen. Welche weiteren Langzeitfragen bei Keto offen sind, fasst unser Beitrag zu Langzeit-Stoffwechselrisiken zusammen. Die Erstautorin betont selbst, man könne nicht ohne Weiteres folgern, dass der moderate LDL-Anstieg bedeutungslos sei.
Was das für Menschen mit Keto-Ernährung heißt
Die Studie stützt einen Punkt, den Studienleiter Dankel ausdrücklich betont: Ein LDL-Anstieg sollte nicht isoliert bewertet werden. Wer ketogen isst, kann mit der Hausärztin oder dem Hausarzt neben LDL auch ApoB, Triglyzeride und HDL bestimmen lassen und den Verlauf über mehrere Messungen ansehen. Eine Freikarte für unbegrenzt gesättigtes Fett ist die Studie nicht. Viele Keto-Rezepte lassen sich mit einem Mix aus Butter, Käse und ungesättigten Fetten wie Olivenöl zusammenstellen. Bei familiärer Hypercholesterinämie, bestehender Herzerkrankung oder Medikamenten gegen hohe Blutfette gehört jede größere Ernährungsumstellung in ärztliche Begleitung; Hinweise dazu stehen in unserem Überblick zu Gegenanzeigen und Medikamenten.
Häufige Fragen
Erhöht eine Keto-Diät mit viel gesättigtem Fett das LDL-Cholesterin?
In der CARBFUNC-Studie aus Bergen stieg das LDL-Cholesterin bei einer Low-Carb-Kost mit rund 30 Prozent der Energie aus gesättigtem Fett um 5 bis 10 Prozent. Der Anstieg ging laut den Forschenden vor allem auf große LDL-Partikel zurück. Die individuelle Reaktion kann stark schwanken. Eine regelmäßige Blutfettkontrolle ist deshalb sinnvoll.
Was ist ApoB und warum ist es in dieser Studie wichtig?
Apolipoprotein B sitzt auf jedem LDL- und VLDL-Partikel und zeigt damit an, wie viele potenziell arteriosklerosefördernde Partikel im Blut zirkulieren. Es wird deshalb neben dem LDL-Cholesterin zunehmend als Risikomarker beachtet. In der CARBFUNC-Studie stieg ApoB unter der fettreichen Low-Carb-Kost nicht signifikant an, obwohl das LDL-Cholesterin leicht zunahm.
Beweist die Studie, dass gesättigtes Fett harmlos ist?
Nein. Die Studie hat keine Herzinfarkte oder Todesfälle untersucht, nur Blutwerte und den Koronarkalk nach zwölf Monaten. Nach zwei Jahren waren nur noch 16 Prozent der Teilnehmenden dabei, und alle hatten Adipositas. Die Erstautorin betont, dass man den moderaten LDL-Anstieg nicht ohne Weiteres für bedeutungslos halten könne.
Welche Blutwerte sollte man bei Keto kontrollieren lassen?
Sinnvoll sind LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyzeride und, wenn möglich, ApoB. Besprechen Sie die Werte mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt und vergleichen Sie sie mit einer Messung vor der Umstellung. Bei familiär erhöhten Blutfetten oder einer Herzerkrankung sollte die Ernährung grundsätzlich ärztlich begleitet werden.